Mit Yasmin Fahimi und dem BLHV auf dem Hardthof

Veröffentlicht am 31.08.2015 in Allgemein
Mit Yasmin Fahimi und dem BLHV auf dem Hardthof

Ein schöneres Ambiente hätte man nicht auswählen können, um über die aktuellen Sorgen der südbadischen Landwirtschaft zu diskutieren.

Am 27. August 2015 trafen sich auf meine Einladung auf dem wunderschönen Hardthof in Hartheim Vertreter des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbands (BLHV) und betroffene Landwirte mit der SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi und einigen Genossen um über die Auswirkungen des Mindestlohns in der Landwirtschaft zu diskutieren.

Mit Yasmin Fahimi und dem BLHV auf dem Hardthof

Wie Herr Pfrengle vom Hardthof eindrucksvoll mit Zahlen belegen konnte, steigen die Lohnkosten in den nächsten 4 Jahren um beinahe 50%, was bei gleichbleibender Einnahmeseite viele Betriebe in die wirtschaftliche Unrentabilität führt.

Weitere Probleme entstehen durch die Aufzeichnungspflichten und die Kontrolle des Arbeitszeitgesetzes. Hier wurde offen zugegeben, dass das bislang in der Landwirtschaft oftmals nicht eingehalten wurde („Wir dachten immer, das gilt in der Landwirtschaft nicht“). Weil es oftmals aber auch an der Realitäten der Landwirtschaft vorbeigeht. Wenn die Erdbeeren reif sind und das Wetter gut ist, müssen sie sofort gepflückt werden, das lässt sich nicht auf morgen verschieben. An anderen Tagen, bei Regenwetter, wird dann wieder viel kürzer gearbeitet. Hier gibt es auf Länderebene die Möglichkeit zeitlich befristete Ausnahmen zu beantragen, was in Baden-Württemberg allerdings in jedem Einzelfall geschehen muss. Der BLHV-Präsident, Herr Räpple, sowie der Justitiar Herr Nödl würden sich hier eine allgemeingültige Genehmigung, zum Beispiel mittels Allgemeinverfügung, wünschen, die es Betrieben mit Sonderkulturen für eine bestimmte Anzahl von Tagen während der Erntezeit erlauben, die maximale tägliche Arbeitszeit zu überschreiten. Hiermit stießen sie auf offene Ohren, man wird gemeinsam versuchen im zuständigen Sozialministerium etwas zu bewegen.

Als ein weiteres Problem stellte sich die Ruhephase von mindestens 10 Stunden am Stück heraus. Bei der heißen Witterung der letzten Wochen war es den Erntehelfern nicht zuzumuten über die Mittagszeit zu arbeiten, so dass häufig morgens von 6 bis 11 und dann nochmal von 16 bis 21 Uhr gearbeitet wurde. Dies ist so nicht möglich. Der Vorschlag von Yasmin Fahimi, dann doch komplett nachts mit Stirnlampe zu arbeiten, wurde schmunzelnd beiseite gewischt.

Insgesamt hörte Yasmin Fahimi sich die Sorgen und Nöte sehr konzentriert und zugewandt an. Durch ihren gewerkschaftlichen Hintergrund geprägt, betonte sie natürlich auch die andere Seite der Medaille, dass man eben nicht alle betrieblichen Belange auf dem Rücken der Arbeitnehmer austragen könne.

Es blieb dann mir vorbehalten, des Pudels Kern so zusammenzufassen: Die Politik muss sich überlegen, wieviel es ihr wert ist, dass gute Nahrungsmittel im eigenen Land produziert werden. Wenn man an der Kostenschraube dreht, die Einkommensseite aber unverändert bleibt und es dann einem globalisierten ungleich regulierten Markt überlassen wird, werden die Betriebe hier nicht überlebensfähig sein und insbesondere arbeitsintensive Zweige wie Spargel, Beeren, aber auch Kernobst wird auf Dauer nur noch in Osteuropa produziert. Das kann sicher nicht im Sinne der Verbraucher sein.

Hierin waren sich alle einig. Jetzt muss der Spielraum für konkrete Lösungsmöglichkeiten eruiert werden.

Mit Yasmin Fahimi und dem BLHV auf dem Hardthof

Nach dem freundlich-sachlichen Gespräch gab es noch einen kleinen Hofrundgang, insbesondere der Hofladen zeigte eindrücklich, was es zu verlieren gibt. Highlight des Besuchs für das „Stadtkind“ Yasmin Fahimi war wohl eine kurze Runde auf dem Trecker, die sie selber fahren durfte.

Nach ihrer Abfahrt, mit vielen neuen Eindrücken, brennenden Fragen und selbstgemachter Marmelade im Gepäck, wurde bei Traumwetter und einem Glas Sekt noch lange weiterdiskutiert.

Birte Könnecke

Mit Yasmin Fahimi und dem BLHV auf dem Hardthof

Hr.Fiebig, Hr. Räpple, Birte Könnecke, Herr Nödl, Yasmin Fahimi, Bernhard Pfrengle (v.l.n.r.)

» Hardthof Pfrengle
» Badischer Landwirtschaftlicher Hauptverband e.V.
» Yasmin Fahimi
» Bericht der Badischen Zeitung

 
 

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