Fessenheim abschalten: 250. Mahnwache Breisach

Veröffentlicht am 02.02.2016 in Politik

Seit fast fünf Jahren finden jeden Montag in Müllheim und Breisach Mahnwachen gegen das AKW Fessenheim statt. Sowohl bei meinem Besuch letzten Montag in Müllheim als auch beim gestrigen 250. Jubiläum in Breisach kamen wieder viele Aktivistinnen und Aktivisten zusammen und zeigten, dass sie standhaft bleiben und weiterhin für eine sichere und atomkraftfreie Zukunft eintreten, denn: die drei Versprechen der Atom-Lobby sind allesamt als falsch entlarvt!

Nicht nur eine beeindruckende Ausdauer durfte ich auf diesen zwei Veranstaltungen bewundern, auch das Fachwissen der Aktivistinnen und Aktivisten ist unglaublich. Zum Glück hatte ich im Studium nicht nur Physik sondern auch Radiologie, so dass ich in weiten Teilen den Ausführungen zu den technischen Spezifikationen und Risiken folgen konnte. Das Lob für mein verstehendes Zuhören hab ich gern angenommen.

Ich selbst bin im Landkreis Stade in unmittelbarer Nähe von vier Atommeiler an der Elbe aufgewachsen. Ein Landkreis, in dem es immer wieder Studien zu erheblich erhöhter Leukämiehäufigkeit bei Kindern gab. Da ein Zusammenhang zu den Atomkraftwerken nie zweifelsfrei bewiesen werden konnte, obwohl die Häufigkeit mit zunehmender Entfernung abnahm, wurde dies stets als reiner Zufall abgetan.

Uns wurde lange genug vorgelogen, dass wir durch Atomkraftwerke saubere, sichere und günstige Energie erhalten werden.

Doch was wir bekommen ist nicht sauber. Wenn wir uns anschauen, mit was für Methoden unter anderem im Erzgebirge Uran abgebaut wurde, dann ist das erschreckend. Auch heute verseucht der Uranabbau Land und Grundwasser, häufig in dünnbesiedelten Gegenden, die noch von Ureinwohnern bewohnt werden, deren Krebsraten deutlich erhöht sind. Die Wahrheit ist dreckig und nicht sauber.

Und was wir bekommen ist auch nicht sicher. Das wussten wir schon seit Tschernobyl und es wurde uns mit den Vorfällen von Fukushima wieder vor Augen geführt. In den belgischen Atomkraftwerken werden von den gefundenen 16.000 Rissen 99,75% als eher harmlos angesehen. Das heißt, nur 40 sind saugefährlich. In Fessenheim und anderen AKWs untersucht man daher sicherheitshalber gar nicht erst auf Risse. Bekannt ist aber, dass die äußere Hülle so porös ist, dass sie nur noch mit aufgeheiztem Wasser gekühlt werden darf, sonst zerspringt sie. Wir können die Atomkraft nicht sicher kontrollieren und das müssen wir uns eingestehen.

Günstig ist die Energie aus den Atommeilern auch nur dann, wenn sie fehlerfrei laufen und man den notwendigen Rückbau und die Lagerung der Abfallprodukte nicht mit einrechnet. Die Realität sieht aber anders aus. Häufige Pannen stören die Produktion und machen teure Reparaturen notwendig. Der Rückbau eines AKWs kostet von 500 Millionen Euro aufwärts. In Greifswald waren es 4 Milliarden. Wenn sich ein Energiekonzern in die Insolvenz absetzt, bleiben diese Kosten am Steuerzahler hängen. Die Atomenergie ist eher ein Milliardengrab, als ein Segen für das Portemonnaie.

Es ist meine tiefe Überzeugung, dass ein Ausstieg aus der Atomenergie längst überfällig und unumgänglich ist. In Fessenheim und überall. Das müssen wir heute anpacken, damit wir nicht noch mehr auf Kosten unserer Kinder und Enkelkinder leben.

Meinen drei Söhnen und allen anderen der heranwachsenden Generationen fühle ich mich in dieser Sache zutiefst verpflichtet.

Ich möchte meinen Beitrag leisten für wirklich sichere Energie und eine saubere Umwelt, in der wir alle gemeinsam gerne leben und arbeiten.

Birte Könnecke

Bilder: Irmgard Orthmayr, spd-breisach.de

 
 

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